Einbettungen in Polyester-Gießharz: Anleitung und Fehlerbehebung

Kurz erklärt: Polyester-Gießharz ist ein Zweikomponentenmaterial, das nach dem Anrühren mit einem Härter zu einem glasklaren, transparenten Formkörper aushärtet. Damit lassen sich Gegenstände wie Insekten, Blumen, Muscheln, Fotos oder kleine Erinnerungsstücke dauerhaft und wetterbeständig einschließen – ähnlich wie bei natürlichem Bernstein, nur selbst gemacht.
Was ist Polyester-Gießharz und wofür eignet es sich?
Schon vor Jahrtausenden hat uns die Natur mit Bernstein gezeigt, wie wunderschön eingebettete Gegenstände – z. B. Insekten oder Pflanzenteile – aussehen können, wenn sie von einem transparenten Harz umschlossen sind. Was uns die Natur gezeigt hat, lässt sich heute mit Gießharzen selbst nachbilden.
Gießharz ist wetterbeständig und weitgehend beständig gegen Chemikalien. Daher bieten sich neben dem klassischen Einbetten auch Einsatzgebiete im Modellbau an, z. B. zur Gestaltung von „Wasser“ für Miniaturlandschaften (Modelleisenbahn, Weihnachtskrippen etc.). Die glasklaren Harze lassen sich zudem in stärkerer oder geringerer Intensität transparent einfärben.
Was lässt sich in Gießharz einbetten?
| Kategorie | Beispiele |
| Naturmaterialien | Gräser, durchgetrocknete Blumen, Muscheln |
| Erinnerungsstücke | Münzen, Familienfotos, eine zerlegte Taschenuhr oder Teile davon
|
| Sonstige feste, nicht zu große Gegenstände | Alles mit fester Form, das dauerhaft als Souvenir, Schmuckstück oder Präparat konserviert werden soll |
| Modellbau | Gestaltung von „Wasser“ in Miniaturlandschaften (Modelleisenbahn, Weihnachtskrippen) |
Grundsätzlich gilt: Es kann praktisch alles eingegossen werden, was eine feste Form besitzt und nicht zu groß ist.
Die Verarbeitung
Das Harz wird in flüssiger Form geliefert und mit einer zweiten Komponente (Härter) angerührt, damit es sich verfestigt. Eine Eigenschaft des Harzes ist, dass es sich während der Verfestigung erwärmt. Diese Erwärmung bewirkt eine zeitweilige Materialausdehnung und beschleunigt gleichzeitig den Aushärtungsvorgang.
Wichtiger Hinweis zur Rissvermeidung:
Bei einer entsprechend kompakten Materialansammlung können diese Vorgänge zu einer Art „Rückkopplung“ führen, wobei sich das Material aufgrund von Überwärmung verfärbt oder aufgrund von Dehnungsspannungen sogar Risse auftreten können. Um eine unerwünschte, übermäßige Erwärmung zu verhindern, muss die Härterzugabe je nach Dicke der Gießschicht prozentual unterschiedlich erfolgen. Schichten von mehr als 15 mm Dicke sind bei gleichzeitig größerer Fläche problematisch. Grundsätzlich gilt: Je dicker die Schicht bzw. je größer die zu verarbeitende Menge, desto geringer sollte der Härteranteil sein.

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Mehrschichtguss – Schritt für Schritt
- Objekt einlegen und erste Schicht gießen. Das Eingießen von Objekten erfolgt grundsätzlich in mindestens zwei oder mehr Schichten, um die Wärmeentwicklung zu begrenzen.
- Härteranteil mit jeder weiteren Schicht reduzieren. Die zuvor hergestellte Harzschicht speichert Restwärme, welche die Aushärtung der nächsten Schicht beschleunigt. Durch Reduzierung der Härtermenge wird diese zusätzliche Beschleunigung kompensiert, sodass die Aushärtung normal, ohne zusätzliche Überwärmung abläuft.
- Zeitpunkt der nächsten Schicht beachten. Bei kleineren Gießteilen lässt sich der Effekt sichtbarer Schichtgrenzen minimieren, indem die nächste Schicht in verkürztem Zeitabstand aufgegossen wird – am besten genau dann, wenn die vorherige Schicht gerade erst geliert.
- Bei größeren Objekten zusätzlich kühlen. Hier empfiehlt sich eine wärmeleitende Gießform in Kombination mit einem Wasserbad zur Kühlung.
- Materialmenge und Härterzugabe vorab berechnen. Es empfiehlt sich, die benötigte Materialmenge für die geplante Schichtdicke sorgfältig auszurechnen bzw. abzuschätzen und die Härterzugabe genau zu berechnen und abzumessen.
Praxis-Faustregel: Fast alle Fehlschläge bei der Gießharzverarbeitung gehen auf eine falsche Härterzugabe zurück. Die einfache Formel lautet: Mit jeder neuen Gussschicht den Härteranteil reduzieren.
Diese Schichten sind im ausgehärteten Zustand bei entsprechendem Lichteinfallwinkel nachträglich noch als feine Linien auszumachen – ein technisch bedingter, aber meist unauffälliger Effekt.
Nacharbeiten
Verfestigtes Gießharz lässt sich wie Holz bearbeiten, also z. B. auch bohren. Je nach Intensität der mechanischen Bearbeitung ist es sinnvoll, Wasser als Kühlmittel einzusetzen. Eine ausführliche, auf die Besonderheiten des jeweiligen Harzes eingehende Anleitung liegt jedem Gebinde bei.
Fehlerdiagnose: Typische Probleme und Lösungen
| Problem | Ursache | Korrekturvorschlag |
| Die Seiten sind nicht glatt | Die Gießfolge der einzelnen Harzschichten wurde teilweise zu spät weitergeführt, wodurch die vorhergehende Gießschicht bereits ausgehärtet war und leicht geschrumpft ist. Das neu aufgegossene Harz ist in die Zwischenfuge zwischen bereits ausgehärtetem Gießling und Formwand gelaufen. | Zeigt die Randfläche nur übergelaufenes Gießharz, lässt sich das durch Abschleifen beseitigen. Bei Einbuchtungen ist meist viel Schleifarbeit zum Egalisieren nötig – oft einfacher: die gesamte Randfläche dünn mit neu angemischter Harzmischung überziehen, was die meiste Schleifarbeit erspart. Danach nur noch schleifen und anschließend polieren. |
| Die Oberfläche hat kleine Löcher | Beim Auflegen der Folie wurden einige Luftblasen übersehen, die sich als störende Löcher zeigen. | Löcher mit einer kleinen Menge neu gemischter Harzmischung überhöht ausfüllen. Nach dem Aushärten (ca. 2 Tage später) die Fläche zunächst mit grobem Schleifpapier (Körnung 220), dann mit feinem, wasserfestem Schleifpapier bearbeiten. Abschließend mit Poliercreme auf Hochglanz bringen. |
| Unebene Gießharzoberfläche (Rückseite) | Die Rückfläche des Gießlings ist trotz aufgelegter Folie nicht ganz glatt und ungleichmäßig ausgehärtet; es haben sich größere Unebenheiten gebildet. | Statt der aufwendigen Schleifarbeit die Fläche nochmals dünn mit einer neuen Harzschicht übergießen – das Harz nivelliert die Oberfläche. Alternative: eine entsprechend dicke Kaltglasurschicht auftragen (siehe Fachtipp „Beschichten mit Kaltglasur“). |
| Zerkratzter Formboden (Sichtfläche mit Rissen/Riefen) | Der Gießling weist in der Sichtfläche kleine Risse und Riefen auf.
| Bei kleinen Kratzern reicht Abschleifen und Polieren. Bei größeren bzw. tieferen Kratzern die Fläche stattdessen mit dünner Kaltglasur überziehen – die Fläche ist danach bereits spiegelglatt und muss weder überschliffen noch poliert werden. |
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum wird mein Gießharz beim Aushärten warm und verfärbt sich?
Das Harz erwärmt sich während der Verfestigung durch die chemische Reaktion mit dem Härter. Bei einer kompakten, dicken Materialansammlung kann diese Wärmeentwicklung zu einer Rückkopplung führen, die das Material verfärbt oder sogar Risse verursacht. Die Lösung: Härterzugabe je nach Schichtdicke reduzieren und in mehreren dünneren Schichten statt in einem Guss arbeiten.
Wie dick darf eine Gießschicht maximal sein?
Schichten von mehr als 15 mm Dicke sind bei gleichzeitig größerer Fläche problematisch, da die Wärmeentwicklung dann zu stark wird. Bei größeren oder dickeren Objekten empfiehlt sich eine wärmeleitende Gießform in Kombination mit einem Wasserbad zur Kühlung.
Sind die Schichtgrenzen bei mehrschichtigem Guss später sichtbar?
Ja, bei entsprechendem Lichteinfallwinkel lassen sich die einzelnen Gießschichten im ausgehärteten Zustand als feine Linien erkennen. Der Effekt lässt sich reduzieren, indem die nächste Schicht in verkürztem Zeitabstand aufgegossen wird – am besten, wenn die vorherige Schicht gerade erst geliert.
Kann man ausgehärtetes Gießharz nachträglich bearbeiten?
Ja. Verfestigtes Gießharz lässt sich wie Holz bearbeiten, auch bohren. Bei intensiverer mechanischer Bearbeitung empfiehlt sich der Einsatz von Wasser als Kühlmittel.
Was ist die häufigste Ursache für misslungene Gießharz-Objekte?
Fast ausnahmslos eine falsche Härterzugabe. Die Grundregel lautet: Mit jeder neuen Gussschicht den Härteranteil reduzieren, da die vorherige Schicht bereits Restwärme speichert, welche die nächste Aushärtung zusätzlich beschleunigt.