Kurz erklärt: Mechanische Uhrwerke bestehen aus vielen beweglichen Teilen, die ohne die richtige Schmierung schneller verschleißen oder ungenau laufen. Wer sein Uhrwerk selbst ölt, muss wissen, welches Öl an welche Stelle gehört und wie viel davon wirklich nötig ist.
Warum die richtige Schmierung so wichtig ist
In einem mechanischen Uhrwerk reiben viele kleine Metallteile ständig aufeinander – Zapfen in Lagersteinen, Zahnräder ineinander, die Hemmung im Sekundentakt. Ohne Schmierung entsteht Reibungswärme, die Bauteile verschleißen und die Ganggenauigkeit leidet. Zu viel oder falsches Öl schadet jedoch ebenso wie zu wenig: Es kann verharzen, wandern und Schmutz binden.
Die wichtigsten Schmierstoffarten
- Dünnflüssiges Öl für schnelllaufende, feine Teile wie Ankerrad und Hemmung – hier zählt geringe Viskosität und hohe Stabilität
- Mittelviskoses Öl für die Lager des Räderwerks
- Zähflüssiges Fett für stark belastete, langsam laufende Teile wie das Federhaus und den Aufzugsmechanismus
- Spezialfette für Kalendermechanismen und Wechselräder, die auch bei geringer Bewegungshäufigkeit nicht eintrocknen dürfen
Die wichtigsten Schmierstellen im Überblick
| Bauteil | Schmierstofftyp | Hinweis zur Menge |
| Ankerrad / Hemmung | Dünnflüssiges Spezialöl | Kleinstmenge, nur auf die Kontaktflächen der Zähne |
| Unruhzapfen / Decksteine | Spezielles Unruhöl | Ein winziger Tropfen pro Lagerstein genügt
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| Räderwerklager | Mittelviskoses Öl | Dünner Film, kein Überlaufen der Lagerbohrung |
| Federhaus / Zugfeder | Spezialfett | Dünn und gleichmäßig auf die Feder auftragen |
| Aufzugswelle / Krone | Fett | Dünn und gleichmäßig auf die Feder auftragen |
Werkzeug für das Ölen
Benötigt werden Ölgeber (Öler) in mehreren Größen für unterschiedliche Tropfenmengen, eine Ölschale oder ein Ölglas, sowie eine Lupenbrille oder ein Stereomikroskop, um die winzigen Schmierstellen exakt zu treffen.
Vorgehen Schritt für Schritt
1. Das Uhrwerk vollständig zerlegen und alle Altöl- und Schmutzreste rückstandslos entfernen – neues Öl auf altem, verharztem Öl entfaltet keine Wirkung.
2. Die relevanten Zapfen und Lagerstellen unter der Lupe identifizieren.
3. Mit dem passenden Ölergrößen jeweils nur die minimal nötige Menge auftragen.
4. Überschüssiges Öl sofort abtupfen, bevor es sich beim Zusammenbau verteilt.
5. Nach dem Zusammenbau die Gangprobe machen und bei Auffälligkeiten die Schmierstellen erneut prüfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie oft muss ein Uhrwerk geölt werden?
In der Regel bei jeder Vollrevision – je nach Herstellerangabe und Beanspruchung meist alle vier bis sechs Jahre.
Was passiert, wenn zu viel Öl verwendet wird?
Überschüssiges Öl wandert im Werk, sammelt Staub und Schmutz und verharzt mit der Zeit – im schlimmsten Fall blockiert es die Hemmung.
Kann man ein Uhrwerk ölen, ohne es vorher zu reinigen?
Nein. Altes, verharztes Öl und Schmutzpartikel müssen vor dem Ölen restlos entfernt werden, sonst kann sich das neue Öl nicht richtig verteilen.